Foto-Fettnäpfchen

Einfach nur draufdrücken und fertig ist das Bild. Die Industrie gaukelt uns in der Werbung vor, dass Digitalkameras quasi ganz von alleine immer fantastische Fotos schießen. Elektronische Gesichtserkennung, Kerzenlichtmodus und zahlreiche andere Automatikfunktionen moderner Kameras sollen uns alle Sorgen abnehmen. Aber die Wahrheit ist: Trotz Netz und doppeltem Boden lauern auf dem Weg zum guten Foto jede Menge Fettnäpfchen.

Tante Lisbeth grinst mit eingefrorenem Lächeln während Onkel Herbert ihr leicht verkrampft den rechten Arm um die Schulter legt. Die Lieben stehen barfüßig am Strand einer lauschigen Mittelmeerbucht, im Hintergrund schimmert die langsam untergehende Sonne auf dem rötlichen Wasser. Nur - auf dem Bild ist das allenfalls zu erahnen. Hier hat ein tiefschwarzes Meer längst die Sonne verschlungen und der Bildausschnitt gnadenlos die Füße amputiert. Doch dafür erstrahlen die Gesichter käsebleich, weil immerhin der winzige Blitz im Kampf gegen die Dämmerung tapfer sein Bestes tat.

Ein gutes Bild reicht

Zugegeben - so viele Fehler auf nur einem Bild unterlaufen selbst blutigen Anfängern nur selten. Außerdem ist in der Ära der Digitalfotografie Knipsen ohne Reue angesagt, schließlich wird die Zahl der Versuche nur vom Speicherplatz der Kamera begrenzt. Doch was nutzen hundert Versuche, wenn am Ende kein einziges gutes Bild heraus kommt? Manchmal ist der eine Moment, der ein Foto wert ist, viel zu kurz. Oft bleiben einem nur wenige Augenblicke für ein schönes Erinnerungsfoto. Da lohnt es sich schon, ein paar Grundregeln des Fotografierens zu kennen. Es ist gar nicht so schwer, ansprechende Fotos zu schießen - vorausgesetzt, man meidet die schlimmsten Fettnäpfchen.

Fataler Blitz

Der sprichwörtliche Daumen oder die Trageschlaufe vor der Linse ist ein Klassiker, der aber wohl mehr aus Unachtsamkeit passiert. Von anderem Kaliber sind die vielen Fehler, die im Zusammenhang mit dem Blitz gemacht werden. Eine falsche Beleuchtung ist einer der häufigsten Gründe für verhunzte Aufnahmen. Wie Sie mit dem Blitz richtig umgehen und warum ein Fotograf immer ein Papiertaschentuch dabei haben sollte, erfahren Sie weiter unten im Text.

Fragen Sie besser nach

Draufhalten für einen spontanen Schnappschuss, so entstehen oft schöne Bilder. Bei der eigenen Familie ist das natürlich kein Problem. Aber wie verhält sich das bei fremden Personen? Auch hier sündigen Sie schnell, wenn Sie ungefragt jemanden ablichten. Drehen Sie den Spieß doch mal um. Irgendein Fremder kommt, zückt seine Kamera und fotografiert Sie einfach so. Ihnen wäre es doch sicher lieber, wenn der Fotograf vorher fragt, oder?

«Living Pictures»

Den Schnappschuss später schärfen

Keine Gedanken um die richtige Kamera-Einstellungen müssen sich Hobby-Fotografen mit einer neuen Kameratechnik machen. Bei der Lichtfeldkamera kann die Schärfe im Nachhinein bearbeitet werden - und schnell ist sie auch noch. Perfekt für Schnappschüsse. Wir zeigen die neue Technik.

Jeder Hobby-Fotograf kennt die Situation: Ein wunderbares Motiv tut sich plötzlich auf und es bleiben nur Sekundenbruchteile für den perfekten Schnappschuss. Leider sind die Ergebnisse oft enttäuschend. Entweder ist die Aufnahme an den entscheidenden Stellen verschwommen oder der Moment war doch schon vorbei und die Kamera zu langsam.

Nun soll es eine neue Kamera-Technik geben, mit der diese Probleme der Vergangenheit angehören. Das kalifornische Unternehmen Lytro hat den Prototyp einer Kamera entwickelt, bei der sich gemachte Aufnahmen im Nachhinein scharfstellen lassen - und das an jeder beliebigen Stelle. Scharfer Vordergrund, verschwommener Hintergrund, das komplette Bild scharf, alles ist möglich. „Living Pictures“ nennen die Hersteller ihre Bilder.

Die sogenannte „Lichtfeldkamera“ unterscheidet sich von herkömmlichen Kameras dadurch, dass sie alle einfallenden Lichtstrahlen im Bild für die Berechnung des Bildes nutzt. Der Lichtfeldsensor erkennt Farbe, Intensität und Richtung des Lichtes. Diese Informationen, die herkömmliche Kameras nicht haben, ermöglicht der Software, im Nachhinein Veränderungen an geschossenen Fotos vorzunehmen.

Aber die nachträgliche Veränderung der Schärfe ist nicht der einzige Vorteil, den Lichtfeldkameras haben. Da die Kamera im Moment der Aufnahme nicht zeitaufwändig fokussieren muss, ist ein schneller Schnappschuss erfolgreicher möglich. Eine hohe Lichtempfindlichkeit sorgt zudem dafür, dass auch in dunklen Räumen gute Fotos ohne Blitz entstehen können. Und sogar 3D-Aufnahmen oder Perspektivänderungen sollen möglich sein.

Ob die Kameras halten können, was der Prototyp verspricht, muss sich noch zeigen. Laut Lytro soll die erste Lichtfeldkamera Ende des Jahres in den Handel kommen.

Lichtfeldkamera
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Einfach den gewünschten Punkt im Bild anklicken...

... und schon verschiebt sich die Schärfe.

FOTO: LYTRO / JASON BRADLEY

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